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Katalog 44

 Galerie & Auktionshaus Hassfurther
 Auktion 29. November 2007, 17.30 Uhr
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24

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
Zwei eigenhändige Liebesbriefe, monogrammiert, 4 eigenhändige Liebes-Gedichte, drei signiert und datiert 1906
an Gretl Partonek (Parte im Nov. 1918)

€ 73.080

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
Eigenhändiger, monogrammierter Liebes-Brief 1906
Mit Mit Mit dreifarbiger Kopfleiste und Aquarell des Gesichtes des Mädchens
Tinte, Feder Aquarell auf Papier
17,2 x 11 cm, 4 (2 unbeschriebene) Seiten

LIEBSTES FRÄULEIN

Mein neues „Drüben“ verdirbt mir meine ganze Aussicht. Früher konnte ich Sie wenigstens hinter einem grünen Versteck sehen, doch jetzt ist dieses Dach am Fenster zu kurz.

Warum schreiben Sie nicht mehr so wie vor einigen Wochen? Wenn solcherlei Sachen bis jetzt noch niemand außer den Nächsten in unserer Umgebung..., glaube ich wird es niemand am wenigsten bei ihnen in der Schule erfahren; vorausgesetzt, dass Sie selbst nichts weiter Ihren Freundinnen, Kolleginnen sagen oder vorlesen. Sie haben mir erst drei Schreiben durch ihren Bruder geschickt, die bei mir gut aufgehoben sind, während ich Ihnen deren schon

mehrere zukommen lassen habe. Würden Sie vielleicht wirklich nicht schreiben können, aus Gründen, die sie mir nicht sagen wollen, so gibt es noch im Zweifel, bei dem ich an Ihrer Stelle keine Ausrede finden würde. Was, Sie gehen abends oft auf der Gasse mit Fräulein Hermine, könnten Sie nicht zumindest den Weg in eine andere Gasse einschlagen? Es kommt nur an Ihren Willen, an den Sie leicht bezwingen können; dann möchten Sie Ihre Worte erfüllen , die Sie mir so deutlich schrieben. Wie oft gehen Sie in die obere Stadt, wie z.B. am Montag, da könnten Sie doch diesen vorhin genannten Weg beim hin- oder retourgehen benützen.

Wenn ich auch jetzt vielleicht Unangenehmes schreib, so bitte ich um Verzeihung., denn aus vielen werden Sie sehen, dass ich so schreibe. Würden Sie mir Verzeihung nicht gewähren,

so bitte ich dieses zurückzusenden. Hoffentlich aber werden Sie von meinen Ratschlüssen auswählen, sodass nicht der schönste Monat ohne Ausnützung verfließt.

Sie sind jeden Sonntag fort, am 22. waren Sie in Hadersfeld, wo waren Sie am letzten Sonntag? Um sonst werden Sie nicht Ausflüge machen. Es grüßt Sie herzlich Ihr

ES

SCHIELE, Egon 1890 - 1918
Eigh. Brief 1906
Tinte auf gefaltetem Papier
19,6 x 15,5 cm Eine Seite
Rückseitig mit Adresse:
AN FRÄULEIN
MARG PARTONET
LOCO.
Monogrammiert links unten:
ES.

Was hatten Sie gestern um 1/4 8 angesehen, als Sie noch mit Fräulein Herm. B. und Fräulein L. Schimpf gingen?

Bitte schreiben Sie mir doch einmal wieder etwas, ich würde sehr erfreut sein. Sind Sie vielleicht böse auf mich, weil ich „Guten Tag“ sage oder „Grüß di Got“?

Liebste, erfüllen Sie mir doch meinen Wunsch und schreiben Sie mir etwas!

Das Wort „Sie“ klingt doch so fremd, möchten Sie dieses „Sie“ lassen und mit einem anderen vertauschen?----

Verzeihe(n) Sie (Du) mein Geschmier, ich konnte nicht anders schreiben da ich fort in Gefahr bin.

Lebe Wohl, auf Wiederseh’n

Sei geküsst meine Gretel.

ES

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
Eigenhändiges Liebesgedicht 1906
In roter Tinte auf Papier
1 ¼ Seiten
Signiert, mongrammiert rechts unten, datiert links unten:
10.III.06. S.Egon E.S

SCHIELE, Egon
MEIN LIEP

Und sollt ich dich jetzt noch nicht lieben,
So sie Dir meine Augen an,
In dessen Inneren steht`s geschrieben,
Daß das nicht ist ein kurzer Wahn.

Und solltest Du mir`s noch nicht glauben,
Daß ich zu lieben Dich begann,
So sie Dir meine Lippen an- - ;
Die werden manchen Kuss Dir rauben.

Und wolltest ihn vielleicht nicht haben,
Gestohlen sollt der doch nicht sein;
Nur Liebende, die gern´ sich haben,
Die küssen sich so ganz allein.

Und kann ich Dich jetzt nicht erlangen,
So schick´ ich Dir viel herzlich Grüß;
Und schick Dir auch, auf Lipp und Wangen,
Viel tausend zuckersüße Küß.

Wenn diese Schrift, mit rote Tint´
Erhalten hast, am heutigen Tag
So denk´, dass zwein es nur sind,
Denen ich einmal etwas geschriebenes gab

1. IV. 06. S. Egon.

 

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
Eigenhändiges Gedicht 1906
21 Zeilen, Tinte auf gefaltetem Papier
20 x 15,4 cm Eine Seite

Der erste Kuss der Liebe!

Traumgebilde, Fantasien
Schweben vor des Jünglings Blicken,
Und der Lieb’ Magnete ziehn
Hin zu ihr, ihn zu entzücken.

Und er sieht sie vor sich stehen,
Und es fasst ihn mit Gewalt
Und rei ßt ihn gleich, Sturmeswehen
Blitzesschnell hin zu ihr bald.

Und die braunen Haare hängen
Sanft, geschmeidig, dicht herab
Über ihren roten Wangen,
Denen Lieb’ das Glühen gab.

Und nur Freundlichkeit nicht Tücke
Spielen um den schönen Mund
Und ihr geben, seine Blicke
Was die Zarte fühlet kund.

Es erfaßt ihn mit Entzücken
Und im seel’gen Hochgenuss
Drückt er auf die ros’gen Lippen
Seiner Liebe - ersten Kuß.

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
An mein Ideal 1906
Eigenhändiges Liebesgedicht in roter Tinte auf Papier
Eine Seite.
Signiert rechts unten, datiert links unten:
30.III.06 E.Schiele

An mein Ideal

I.
Der Kunst, der reich ich meine Rechte
Der Malerei strecke ich sie hin,
Wann’s nur was zweites geben möchte
In Klosterneuburg oder Wien.

II.
Das nächste oder drauf das Jahr
Werd’ ich müssen weg von hier
Mit der Hand und lockigem Haar
Das ist der Künstler beste Zier.

III.
Und das zweite ist,--mein Gretchen,
Dir reiche ich meine beiden Händ’,
Du bist das allerliebste Mädchen,
Mein Lieb’, dass ich nur jemals fänd.

IV.
Du ros´ge, reizende Natur
Du herzzerreißende Figur,
Dir lacht der Frühling lieb entgegen
Mit wonn´gen Tagen,- still verlegen.

V.
Nur Luna soll es einstens seh´n,
Der kann dann ruhig vorrübergeh’n ;
Doch höre jetzt und schreib an mich
In kurzer Zeil´- ich liebe dich.

E. Schiele
30.III.06.

SCHIELE, Egon 1890 – 1918
Eigenhändiges Liebesgedicht 1906
Rote Tinte auf Papier
1 ¼ Seiten
Signiert rechts unten, datiert links unten:
31.III.906 SCHIELE

Woher haben Sie denn das erfahren?
Das ist mir jetzt noch nicht im klaren,
Wohl kenn ich manches Mädlein hier
Doch darum, kann ich nichts dafür.

Das machte einst der Jugend Freude
Und dieses tat mir viel zu Leide,
Dies Fräulein ist von blondem Haar,
Es hat ein braunes Augenpaar.

Doch längst vergessen ist die Zeit
Mit vielem Neid und Streitigkeit,
Jetzt dank ich Gott, denn edlen Hort
Für dies’ ..., mein Ehrenwort.

Viel länger könnt’ ich dahin schreiben,
Nur bitt’ ich dieses nicht zu zeigen,
Sie werden wohl das Fräulein kennen,
Die auf der Karte schrieb
„L.B.“

3.III.9o6 SCHIELE

Liebstes Fräulein!

Sehr freuen würde es mich, wenn Sie mir wieder etwas zurückschreiben
möchten u. durch ihren lieben Bruder schicken würden.

Mit herzl. Kuß

E.S

Provenienz
Gretel Partonek
†1918
Familie Partonek
Dorotheums Auktion
12 - 13.02.1959

Privatsammlung
Wien

beiliegend Parte von Gretel Partonek

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