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Katalog 46

 Galerie & Auktionshaus Hassfurther
 Auktion 27. November 2008
Versteigerungsbedingungen


WALDE, Alfons 1891 – 1958
Sarntaler Wirtsstube
€ 90.000 – 120.000

Öl auf Karton
48,3 x 69 cm

Signiert rechts unten:
A.Walde
Rückseitig Originaletikett:
ALFONS WALDE
Kitzbühel/ Tirol

Titel SarntalerWirtsstube (eigenhändig)
Preis
Original-Walde-Rahmen

Einzige bekannte Fassung

Provenienz:
Seit 1926 Privatbesitz. Österreich
Ausstellungsetikett: 1926-Nr.196
Künstlerhaus-Wien
Weihnachten 1926

Betrifft: Wissenschaftliche Beurteilung des Gemäldes von Alfons Walde „Sarntaler Wirtsstube“
Bezugnehmend auf Ihre Anfrage darf ich bestätigen, dass das mir am 14. Oktober 2008 in Ihren Galerieräumen im Original gezeigte Gemälde „Sarntaler Wirtsstube“ m. E. ein eigenhändiges Werk des Kitzbühel Malers Alfons Walde (1891 – 1958) aus den Jahren um 1928 ist. Das Gemälde ist in Öl auf Karton gemalt, misst in der Höhe 48,3 cm und in der Breite 69 cm. Es trägt rechts unten die Signatur: A. Walde (mit tief gesetztem a, vgl. Gert Ammann, Alfons Walde 1891 – 1958, 5. Auflage, Innsbruck – Wien 2005, Seite 179. Rechte Spalte unten). Auf der in Rotbraun bemalten Rückseite klebt in der Mitte das in Schwarz gedruckte Etikett: ALFONS WALDE Kitzbühel / Tirol N° Titel: Preis: und der in grauer Tusche von Walde selbst geschriebene Bildtitel: Sarntaler Wirtsstube. Das Gemälde ist mit dem von Alfons Walde selbst kreierten originalen Rahmen mit breiter Hohlkehle gerahmt. Das Gemälde und der Rahmen weisen optisch keine Restaurierungen auf und erscheinen im ursprünglichen Zustand mit der gewachsenen Patina. Der Blick geht diagonal in eine Bauernstube, am über Eck gestellten Tisch haben sechs Bauern Platz genommen, drei Bauern sitzen rechts auf einer Bank, die anderen an den drei anderen Tischkanten. Die beiden diagonal zueinander sitzenden Bauern haben ihre rechte Hand auf die Tischplatte gelegt, um ein Schnapsglas zu ergreifen. Rechts in der Ecke hockt unbeteiligt und in sich versunken eine Bauernfrau mit blauer Schürze. Die Gesichtszüge der Bauern und der Bäuerin sind nur angedeutet, es wird sichtlich kein Wort gewechselt. An den Raumwänden sind je ein Fenster mit tiefer Laibung eingelassen, durch die das Licht in den Raum einströmt. Durch das rechte Fenster sind rote Blumen mit grünen Blättern zu sehen. In der Raumecke – im Herrgottswinkel – hängt ein mit roten Blumen gezierter Kruzifixus.
Der Raumfarbton ist in ein kühles Grauweiß getaucht, die Kleidung der Männer mit ihren dunkelbraunen Hosen, Joppen und Hüten und den im Seitenlicht aufleuchtenden weißen Hemdärmeln fügt sich dem Gesamtton ein. Allein die roten Blumen vor dem Fenster und am Kruzifixus verleihen dem Motiv leuchtende Akzente. Die Malweise mit den pastosen, trocken aufgetragenen Farbmodellierungen ist charakteristisch für Alfons Waldes später Malphase. Typisch für Waldes Malstil ist auch das Durchscheinen des Bildträgers Karton an den Konturlinien, speziell beim Ärmel des links sitzenden Bauern und an der rechten Fensterlaibung.
Alfons Walde hat in den Jahren um 1928, wohl im Zusammenhang mit den Entwürfen „Nordtirol und Südtirol“ zum Innsbrucker Hauptbahnhof, Bauernmotive wie die „Bauern am Tisch“ (um 1928) oder „Bauernstube (Feierabend)“ (1928) gestaltet (vgl. Gert Ammann, a, a.O., Seiten 294-297). In diesen Motiven versucht sich Walde mit Interieurdarstellungen, die vll. Thematisch an Gemälde des 1926 verstorbenen Albin Egger-Lienz erinnern. Diese Motive sind die einzigen Kompositionen, in denen man eine gewisse Nähe zu Eggers Bauernsujets erkennen kann. Sonst dominiert eine andere, eine lebensfrohe Mentalität in Waldes Gemälden wie etwa in der „Begegnung“ (1924) oder dem „Bauernsonntag“ (1927).
Das vorliegende Gemälde ist eines der wenig bekannten Beispiele, in denen sich Alfons Walde dem Thema „Bauern im Interieur“ widmet. Umso bemerkenswerter erscheint das Gemälde im Gesamtoeuvre.

Völs 2008-10-19 Dr. G. Ammann

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